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Ein Austausch ohne Grenzen

Tandem-Projekt an der PH Schwäbisch Gmünd und der Université d’Abomey-Calavi

von Julia Frericks, Interkulturalität und Integration M.A.

(Schultafel an Beniner Schule. ©Daniel Rellstab)


Heutzutage ist es kein Problem mehr, 6000 km räumliche Entfernung innerhalb von Sekunden zurückzulegen. Zumindest nicht, wenn die Internetverbindung standhält.


Und das tat sie meistens beim Tandem-Projekt zwischen der Université d’Abomey-Calavi und der PH Schwäbisch Gmünd. Als deutsche und beninischen Studierende Germanistik begaben wir uns ein Semester lang in regelmäßigen Treffen auf die gemeinsame Reise. Wir tauchten in die Geschichte der beiden Länder ab, tauschten uns über aktuelle politische Ereignisse aus, begaben uns auf die Suche nach Spuren des jeweils anderen Landes in unserem eigenen und diskutieren über die eigene Religion und gesellschaftliche Traditionen.


Jetzt, ein paar Tage nach dem letzten offiziellen Treffen in meiner vierköpfigen Tandemgruppe, kann ich mit Blick auf die letzten Monate voller Dankbarkeit anerkennen, was wir in dieser Zeit von- und miteinander lernen konnten:


Ich kann (leider erst) jetzt Benin auf der Weltkarte verorten, während meine Tandempartner*innen als Germanistik-Studierende bereits lange einen Bezug zu Deutsch und Deutschland haben.


Ich habe mich in die sprachliche Vielfalt des Landes hineingedacht, in der manchmal Menschen aus dem Nachbardorf eine andere Sprache sprechen - nicht zu vergleichen mit den Dialekten, die in vielen Gegenden Deutschlands aussterben, weil sie nicht gepflegt und weitergetragen werden.

Langsam beginne ich, koloniale Zusammenhänge zu verstehen, die zwischen Benin und Frankreich bestehen, jedoch auch Deutschland betreffen, wo die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte noch lange nicht abgeschlossen ist (nur eines von unzähligen Beispielen: die Benin-Bronzen, mehr Informationen auch hier).


Ich erkenne, wie wichtig Geschichten und Märchen nicht nur für Kinder sein können, da sie alte Weisheiten vermitteln, die nie aufgeschrieben wurden. Wer hat entschieden, dass nur Aufgeschriebenes Wahrheiten vermitteln kann? Und warum erzählen wir uns in Deutschland nicht mehr Geschichten oder Märchen, sondern besuchen stattdessen Comedy-Veranstaltungen, die der Gesellschaft humoristisch einen Spiegel vorhalten wollen?


Nicht amerikanisch geprägte Musikgenres werden auf den gängigen Plattformen meist als „Weltmusik“ bezeichnet, wobei die Vielfalt an Rhythmen, Instrumenten und Klängen niemals in diese Kategorie passt - oder klingen die in Benin geborene Sängerin Angelique Kidjo und der Sänger King Mensah aus Togo gleich? Ebenso wie man ja auch Namika oder La Brass Banda nicht in einen Topf werfen würde.


Natürlich ist es in vielerlei Hinsicht schöner, wenn ein Begegnungsprojekt tatsächlich vor Ort stattfinden kann, man sich ohne Internet-Störungen oder Zeitverschiebung einfach trifft und austauscht. Dennoch haben wir im Rahmen des Möglichen das Beste aus der aktuellen Situation gemacht: Wenn es aufgrund des stressigen Semesters mal schwierig war, ein Treffen zu vereinbaren, wurden Sprachnachrichten, Videobotschaften oder Fotos aus dem jeweiligen Lebensumfeld geschickt. Hätten wir uns in einer der beiden Partnerhochschulen getroffen, wäre es auch nicht möglich gewesen, quasi gemeinsam einen Spaziergang durch das Dorf eines meiner Tandem-Partner zu machen und ich hätte aus meinem Auslandspraktikum in Polen heraus wahrscheinlich gar nicht erst an dem Tandem-Projekt teilnehmen können. Von daher, sehen wir das Positive an diesem Format:

Ich möchte die Erfahrung und das dadurch gewonnene Wissen über Zusammenhänge der Weltgeschichte mit meinem eigenen Leben nicht missen. Und ebenso die neuen Freundschaften, die sich dadurch gebildet haben, dass wir alle an anderen Orten unserem Leben nachgehen und uns trotzdem begegnen und austauschen konnten.


Vielen Dank dafür an die Organisator*innen der Université d’Abomey-Calavi und der PH Schwäbisch Gmünd!

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