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Rückblick Deutschrap-Tagung

Updated: May 5


Photo by Axel Antas-Bergkvist on Unsplash


Letzte Woche fand an der PH Schwäbisch Gmünd die äußerst spannende und interdisziplinäre Tagung "Deutsch-)Rap und Gewalt Ambivalenzen und Brüche" (https://www.deutschrap2021.de/ ) statt.


Am 22. April 2021 wurde die Tagung von Frau Prof. Dr. Vorst, der Rektorin der PH Gmünd, und Frau Prof. Dr. Nazli Hodaie eröffnet. Soziologe Dr. Martin Seeliger beleuchtete als erster Keynote-Speaker Gangstarap als Ausdruck eines Kampfes um Anerkennung in der postmigrantischen Gesellschaft, Ausdruck des neoliberalen Kapitalismus, Versuch der Aktualisierung hegemonialer Männlichkeit sowie als ein “Grenzobjekt” pluraler Gesellschaft. Am gleichen Tag erschien ein Interview mit Dr. Martin Seeliger zu dieser Thematik auf Deutschlandfunk Kultur: https://www.deutschlandfunkkultur.de/soziologe-martin-seeliger-gangsta-rapper-treten-nach-oben.2156.de.html?dram:article_id=496102.


Nach der Keynote setzten sich renommierte Forscher:innen in den Panels "Antisemitismus/Rassismus/Rechtsextremismus", "Sexualität (Sex & Gender)" und "Aspekte sprachlicher und medialer Inszenierung" mit verschiedenen Facetten des Rapgenres auseinander. Unter anderem stellten Marc Grimm und sein Team von der Universität Bielefeld die Ergebnisse ihrer Studie über den Zusammenhang zwischen Gangsta-Rap und antisemitischen Haltungen vor. Diese wurden am 4. Mai 2021 auch in der FAZ diskutiert: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/neue-studie-gangsta-rap-foerdert-antisemitische-haltung-17325595.html. Interesant dazu auch noch ein Interview mit Rapper Ben Salomo: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/interview-mit-ben-salomo-ueber-antisemitismus-studie-17325655.html.


Im Rahmen einer Poster-Session konnten Nachwuchsforscher:innen die Ergebnisse ihrer Arbeiten zu Sprache, Gewalt und Weiblichkeitskonstruktionen im Rap präsentieren. Die Podiumsdiskussion "Partizipation – Emanzipation – Distinktion:

Wie wach ist HipHop?" mit Christoph Hagel, Gerburg Maria Müller, Sookee und Marius Stark rundete den ersten Tag der Tagung ab.


Am 23. April startete der zweite Teil der Tagung mit dem Vortrag "'Wir geben ihnen die Wahrheit': Platz an der Sonne, institutionelle Gewalt und postkoloniale Wissensdiskurse in den deutschsprachigen HipHop Studies" von Dr. Sina Nitzsche. Sie ging dabei insbesondere auf den Song "Geschichtsunterricht" der Band BSMG ein und vertrat die These "'Geschichtsunterricht' eignet sich die Wissenspraktiken der HipHop-Kultur an, um an die scheinbar 'vergessene' Kolonialgeschichte zu erinnern, ihre vielfältigen Konsequenzen aufzuzeigen und zur Schaffung von neuen afrodiasporischen Identitäten im (Deutsch-)Rap beizutragen." Das Lied thematisiert u.a. den Völkermord an den Herero und Nama und den kolonialen Bezug deutscher Museen. Ein Thema, das nicht aktueller sein könnte, wie man an der gerade beschlossenen Rückgabe der Benin-Bronzen an Nigeria und den vielfältigen Ausstellungen und Veranstaltungen rund um den musealen Umgang mit dem Kolonialismus sehen kann (mehr dazu hier: https://www.germanistik-interkulturalitaet.de/post/veranstaltungen-rund-um-den-musealen-umgang-mit-dem-kolonialismus) Dr. Sina Nitzsche gab zudem noch konkrete Tipps zur Dekolonialisierung der Rap- und HipHop-Forschung.


Es folgten weitere Vorträge in den Panels "Aspekte sprachlicher und medialer Inszenierung" und "Gewalt in Rap-Subgenres" sowie ein Workshop mit Rapperin Sookee zum Thema "Kunstfreiheit um jeden Preis - aber auf wessen Kosten?". In dem Workshop wurde im Kontext des Deutschrap diskutiert in welchem Verhältnis gesellschaftliche Verantwortung und Kunstfreiheit stehen. Ein hochaktuelles Thema, was auch die Debatte um Danger Dans Lied "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt. Sookee untersucht übrigens in der Dokumentation "Sophie Scholl - Das Gesicht des besseren Deutschlands" von Sabine Jainski und Ilona Kalmbach wie die Widerstandskämpferin aktuell durch rechtsnationale Kräfte vereinnahmt wird: https://pressetreff.3sat.de/programm/dossier/mappe/zeige/Special/3satkulturdoku-sophie-scholl-das-gesicht-des-besseren-deutschlands/ (Erstausstrahlung: 08. Mai 2021, 19:20 Uhr).




Wer nach dieser sehr intensiven und inspirierenden Tagung Lust darauf bekommen hat, sich das Spannungsverhältnis von Musik und Rassismus noch genauer anzuschauen, kann sich im Kalender schon mal die Tagung "Music and Racism in Europe"von 21.-22. Otober 2021 in den Kalender eintragen: https://www.suoni.fi/etusivu/music-and-racism-in-europe.

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