Search

Veranstaltungen rund um den musealen Umgang mit dem Kolonialismus

Updated: Apr 26


Picture by Massimo Virgilio on Unsplash


Das Sommersemester 2021 hat begonnen und auch diesmal wird es viele spannende Veranstaltungen und interessante Projekte und Seminare geben. Den Anfang macht die Deutschrap-Tagung (22./23.4.21), die ein vielfältiges Programm rund um das Spannungsverhältnis zwischen Rap und Gewalt bietet: https://www.deutschrap2021.de/. In der Keynote am Freitag beschäftigt sich Dr. Sina Nitzsche von der Fachhochschule Dortmund in ihrem Vortrag „gestohlene Schädel in deutschen Museen“: Kolonialvergangenheit, institutionelle Gewalt und HipHop-Education auf dem Album Platz an der Sonne (2017) (AT) mit einem Thema, das uns auch in unserem Kompaktseminar "Kulturinstitutionen in der superdiversen Gesellschaft" letzte Woche beschäftigt hat: Wie gehen deutsche Museen mit dem Erbe des Kolonialismus um? Wie gehen sie mit Artefakten um, die unrechtmäßig aus den Herkunftsländern gebracht wurden und wie thematisieren sie die koloniale Vergangenheit? Das Thema ist aktueller denn je, denn es ist ein Paradigmen-Wechsel in deutschen Museen zu beobachten und es wird wie im Falle der Benin-Bronzen die Rückgabe von Raubkunst diskutiert: https://www.dw.com/de/benin-bronzen-r%C3%BCckgabe/a-57008055. Die Rückgabe von Raubkunst wird auch das Thema der Diskussion„Zurückgeben“ mit Prof. Bénédicte Savoy (TU Berlin) und Karamba Diaby (MDB) am 1.6.21 im Literaturhaus Halle sein: https://literaturhaus-halle.de/events/zurueckgeben-diskussion-mit-prof-benedicte-savoy-tu-berlin-und-karamba-diaby-mdb/.


Das Deutsche Historische Museum (DHM) behandelte bereits in 2016/2017 mit der Ausstellung Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart die Perspektive sowohl deutscher Kolonialisten als auch von Kolonisierten. Besonders eindrücklich sind dabei die Objektgeschichten: https://www.dhm.de/ausstellungen/2016/deutscher-kolonialismus/objektgeschichten/. Im Jahr 2020 hat das DHM zudem seine Dauerausstellung umgestaltet: https://www.dhm.de/blog/2020/09/16/deutsche-kolonialgeschichte-zur-neugestaltung-in-der-dauerausstellung/.


Auch andere Museen befassen sich derzeit mit der kolonialen Vergangenheit aus verschiedenen Perspektiven. Zwar sind viele Museen im Moment geschlossen, aber durch Online-Führungen, virtuelle Rundgänge und begleitende Rahmenprogramme mit Online-Vorträgen und -Diskussionen kann man sich auch in der gegenwärtigen Situation sehr gut mit dieser Thematik auseinandersetzen.


So läuft im Museum der Arbeit in Hamburg noch bis 18. Juli 2021 die Ausstellung Grenzenlos. Kolonialismus, Industrie und Widerstand: https://shmh.de/de/grenzenlos-kolonialismus-industrie-und-widerstand. Im Rahmen einer begleitenden Vortragsreihe werden Referent*innen "sowohl einen historischen Blick auf die Zwangsarbeitsregimes in den ehemaligen Kolonien werfen als auch die gegenwärtigen Fortschreibungen mit postkolonialen, feministischen und rassismuskritischen Perspektiven untersuchen". Beispielsweise beleuchtet am 26.4.21 Dr. Minu Haschemi Yekani das Thema (Neo)Kolonialismus und Arbeit mit dem Vortrag Die "Arbeiterfrage" im kolonialen Tansania. Indentured Labour im Kontext von Rassismus und Widerstand. Am 12.5.21 bietet das Kribi Kollektiv einen Online-Workshop zu dekolonialen und machtkritischen Perspektiven auf die Auswirkungen von Covid-19 im Globalen Süden.


Das Linden-Museum untersucht von 16. März 2021 bis 8. Mai 2022 in der Werkstattaustellung Schwieriges Erbe seine eigene Geschichte und des Landes Württemberg im Kontext des Kolonialismus: https://www.lindenmuseum.de/sehen/ausstellungen/schwieriges-erbe. Im Rahmen der Ausstellung gab es bereits Online-Vorträge und Werkstattgespräche zu Themen wie Stuttgarts koloniale Vergangenheit und Im Selbstbedienungsladen: Über kulturelle Aneignung, die in der Mediathek verfügbar sind. Neben digitalen Führungen durch die Ausstellung wird es auch weiterhin begleitend Veranstaltungen geben, z.B. sprechen am 19.5.21 Josephine Apraku, apl. Prof. Dr. Annette Bühler-Dietrich und Katharina Schäfer über Koloniale Spuren in Kinder- und Jugendliteratur. Da wir uns dieses Semester in dem Seminar Interkulturelle Literatur in Deutschland auch mit Spuren des Kolonialismus in der deutschsprachigen Literatur auseinandersetzen, ist das für unsere Studierenden besonders interessant.


Das MARKK (Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt) in Hamburg bereitet

von 14.4.21 bis 31.12.22 in der Ausstellung Hey Hamburg, kennst Du Duala Manga Bell? die Themen Rassismus, Kolonialismus und Erinnerungskultur für junge Menschen und deren Familien auf: https://markk-hamburg.de/ausstellungen/hey-hamburg/. Im Mittelpunkt steht dabei die Graphic Novel Die Vergangenheit ist ein Weg des nigerianischen Künstlers Karo Akpokiere. Erzählt werden in der Ausstellung "die Lebensgeschichten der kamerunischen Königsfamilie Duala Manga Bell und die Auswirkungen des Kolonialismus auf persönliche Lebenswege, Familien und Gesellschaft sowie die Dynamiken von internationalen Widerstandsnetzwerken". Rudolf Duala Manga Bell, der damalige König der Duala, lebte übrigens als Kind für fünf Jahre bei einer deutschen Familie in Aalen, also nicht weit von Schwäbisch Gmünd entfernt. Da die PH Schwäbisch Gmünd eine enge Kooperation mit Hochschulen in Benin hat, ist es für uns auch besonders spannend, dass das MARKK an dem Projekt Digital Benin beteiligt ist, bei dem es um die digitale Zusammenführung der weltweit zerstreuten Kunstwerke aus dem ehemaligen Königreich Benin (heute Edo State, Nigeria) geht: https://markk-hamburg.de/digital-benin/.


Um mehr über das Thema (Post)kolonialismus zu erfahren, lohnt es sich auch auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung zu stöbern: https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/postkolonialismus-und-globalgeschichte/. Just in ein paar Tagen findet zudem das 11. bpb:forum digital mit dem Thema "Über den Umgang mit der kolonialen Vergangenheit in Deutschland und Frankreich - Eine Bestandsaufnahme" statt: https://www.bpb.de/veranstaltungen/format/podium-vortrag/331028/11-bpbforum-digital-ueber-den-umgang-mit-der-kolonialen-vergangenheit-in-deutschland-und-frankreich-eine-bestandsaufnahme.






106 views0 comments